Delegiertenversammlung der Caritas Schweiz

 

 

Delegiertenversammlung  der Caritas Schweiz

 

in Luzern/Adligenswilerstr. 15, 18.Mai 2016 14.30 h

  

Die Präsidentin, Frau Wallimann-Bornatico leitete gewohnt zügig, sympathisch und kompetent durch die Versammlung. Der Jahresbericht des Direktors, die Genehmigung der Jahresrechnung und die Wahlen für die neue Legislaturperiode bildeten die Schwerpunkte des statuarischen Teils.

 

Direktor Fasel dankte zuerst allen Mitarbeitenden der Caritas Schweiz und des Vorstandes; er spreche darüber, was sie im Laufe der letzten vier Jahre gearbeitet hätten, wobei er die Wichtigkeit von sich als Zugpferd zu nennen diskret unterliess.

 Rückblickend stellte er zusammenfassend fest,

 - dass die Klimaveränderungsprobleme immer mehr Einsätze erfordern.

 - Die Caritas habe wichtige in der vergangenen Legislaturperiode  wichtige Management-Veränderungen durchgezogen.

 - Der neue Standort an der Adligenswilerstr. 15 in Dauermiete sei gut für sie.

 

Aus dem Jahresbericht 2015: Die Flüchtlinge aus Syrien seien  das grösste Thema dieses Arbeitsjahres gewesen. Aber auch das Thema Armut und der Sozialabbau in der Schweiz werden dauernd beobachtet und zur Diskussion gebracht. Die Spendeneinnahmen waren super.

Der Almanach zur Entwicklungspolitik ist nach wie vor beachtet und gefragt, auch bei Autoren.

Beim DEZA hat Caritas Schweiz ein wichtiges Mandat zu Migration gewonnen, wodurch die Lebensbedingungen  und Mittelbeschaffung zugunsten der Migranten optimiert werden können.

Die Zusammenarbeit mit der europäischen und weltweiten Caritas ist sehr wichtig und konnte vertieft werden.

Bei der Präsenz der Caritas in der Welt geht es immer mehr  um Konzentration; sie kann nicht überall tätig sein, ist es aber in ca. 20 Ländern. Mittel müssen immer mehr auch lokal/international generiert werden.

In der Schweiz gab es 2015 für Caritas eine grosse Umsatzsteigerung und viel Arbeit im Asyl- und Flüchtlingsbereich. Sie unterstützt die Anwaltschaft für die Flüchtlinge für faire Abklärungen und Entscheide. Per 1.1.2017 will nun auch der Kanton Obwalden die Flüchtlingsarbeit/Arbeit mit den minderjährigen Migranten selber übernehmen wie schon der Kt.Luzern.

  

Im Bereich Finanzen und Administration konnten Anpassungen und Verbesserungen an neue Vorschriften erreicht werden.

 

Die Jahresrechnung wie auch der Jahresbericht des Direktors wurden ohne Gegenstimme genehmigt.

 

Der Spendeneingang ist erfreulich. Der Aufwand für Fundraising und Marketing betrug 5,5%, jener für die Verwaltung  4,4% gemäss ZEWO-Stiftung-Vorgaben und liegt 2015 etwas über dem sonstigen Durchschnitt des Unternehmens (8,9%), aber weit unter jenem vergleichbarer anderer Institutionen.

  

Wahlen:  Verabschiedet und gewürdigt wurden zwei  Präsidiumsmitglieder, unter ihnen  die  Vize-Präsidentin Michèle Berger-Wildhaber, sowie acht Vorstandsmitglieder und der GPK-Präsident Guido Käppeli. Neu gewählt wurde als Vizepräsident Robert Moser, Steg VS. Mit grossem Applauswurde die Präsidentin in ihrem Amt bestätigt und die neu gewählten Vertreter im Vorstand willkommen geheissen. Erstaunlicherweise  hörte man bei allen Freude, das neue Amt zu übernehmen oder die bisherige Arbeit weiterzuführen, auch dank des sehr guten Arbeitsklimas.

  

Im thematischen Teil der DV ging es um die aktuelle Flüchtlingssituation – um die Herausforderungen für die Caritas. (Dauer  ca. eine Stunde)

   

Marianne Hochuli referierte über Fakten, Argumente, also über die Grundlagen zur momentanen Flüchtlingssituation. Menschen flüchten nicht nur aus Kriegsgebieten, sie können auch fliehen wegen Verfolgung, Organhandel oder Armut usw. Keine Gesetze halten sie ab in Not zu fliehen. Am Beispiel der syrischen Bevölkerung zeigte sie, dass von den 23 Mio. Bewohnern noch etwa 19 Mio. im Land leben, der Rest auf der Flucht ist. Die Schweiz hat letztes Jahr etwa 40 000 Flüchtlinge aus versch. Ländern bekommen; die Anerkennungsquote beträgt zur Zeit etwa 60%. Der Anteil der Flüchtlinge gemessen an der Bevölkerung  in der Schweiz ist relativ klein. Es bestehe kein Chaos, wie oft behauptet wird. Von Seiten der Bevölkerung sei viel Engagement sichtbar. Caritas Schweiz  bejaht das neue Asylgesetz, denn die unentgeltliche Rechtsberatung und –begleitung von Anfang an bringe den Flüchtlingen frühe, sachgerechte Information und eine wirkliche  Beschleunigung des Verfahrens. Sie setzt sich auch für sicherere Fluchtwege ein, für frühere Integration im Hier und Jetzt (Arbeit, Sprache, Umfeld).

  

Über die operative Flüchtlingsarbeit berichtete Paul Bertschy. Caritas ist unterstützend tätig auf den Fluchtrouten von Syrien – Griechenland – Serbien  - Kroatien. Mit 18 Mio. Franken seit 2012. Z.B. in Form von Not- und Überlebenshilfe in Aleppo und Damaskus; in Jordanien durch Einkommensförderung, Hilfe mit landwirtschaftlicher Ausbildung. In Griechenland unterstützt sie Notunterkünfte, in Libanon und Irak ermöglicht sie psychologische Betreuung traumatisierter Menschen, und syrischen Kindern ermöglicht sie im geschützten Rahmen  Schulbildung, Nachhilfe bei Schulbesuchs-Lücken, und fördert die Lehrerbildung für Flüchtlingskinder. In Libanon ist jede 4.Person ein Flüchtling! Dort müssen einerseits die Gastfamilien gestützt, aber auch  Möglichkeiten für kleine Selbstversorgungsjobs für die Flüchtlinge eröffnet werden. Caritas versucht die öffentliche Wahrnehmung der Krise situationsgerecht zu beurteilen, teilweise anders als es in den Medien geschieht.

  

Paul Rüegg informierte über die Entwicklung der Zuwanderung in die Schweiz. Dem relativ starken Anstieg im Jahr 2015 steht  im April 2016 eine starke Abnahme gegenüber, weil die Balkanroute zu ist. Die wärmere Jahreszeit wird wieder mehr Leute ermutigen über das Mittelmeer nach Europa auszuwandern. Dies zeigt, dass keine Prognose möglich ist. Caritas hilft in der Schweiz durch Schaffung von Wohnmöglichkeiten, Rechtsberatung, Integrationshilfen, Förderung  und Vermittlung von Dolmetschern, Rückkehrberatung und neu in einem Zentrum in Immensee für UMA (unbegleitete minderjährige Asylsuchende). Die Zusammenarbeit mit dem Bund ist auf allen Ebenen wichtig. Die italienische und deutsche Schweiz werden wohl mehr neue Flüchtlinge bekommen als die französische.

Neu wird ein Versuch gestartet UMA in Familien zu platzieren, und in Matran soll es ein Collège als Bildungsangebot geben.

Um Aufträge im Asylwesen zu bekommen, hat sich ein eigener Markt entwickelt. Dieser Markt muss bearbeitet werden, Bewerbungen gehören zum Alltag. Caritas versucht das Terrain Flüchtlingsarbeit aktiv zu verteidigen, da es immer auch um besondere Werte und  Haltungen zu den Zuwandernden geht. Es gibt immer mehr private und öffentliche Bewerber für Flüchtlings-Projekte.

Die Analphabetisierung-Notwendigkeit ist in der Schweiz ein stärkeres Phänomen geworden.

   

(Zahlen zur Flüchtlingssituation sind beim Staatssekretariat für Migration im Internet zu finden.)

  

Für den Bericht:

Eggersriet, 20.Mai 2016/Martha Daugaard

 

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