Delegiertenversammlung Caritas Schweiz

 

Delegiertenversammlung Caritas Schweiz vom Mi, 17.5.2017 in Luzern


 

Als Teilnehmerin an der DV ist es bereits zur Gewohnheit geworden, in Luzern an die Adligenswilerstrasse 15, dem früheren Priesterseminar aufzusteigen. Die Versammlung war dieses Jahr gut besucht.


Frau Wallimann-Bornatico führte wie gewohnt sympathisch und locker durch die Traktanden. Interessantester Schwerpunkt des statuarischen Teils ist immer der


 Jahresbericht des Direktors Hugo Fasel. Darin erinnerte er zuerst an den Grundauftrag der Caritas: Menschen in Not Hilfe zu leisten und sich sozial-politisch zu engagieren gegen  Armut und Not. Er dankte vorab allen Angestellten und Engagierten im Vorstand und der Geschäftsleitung, der GPK, den Kontrollorganen, allen Mitarbeitenden in Luzern, bei den Inland-Regionalstellen und den Einsatzbereichen im Ausland.


Die Arbeit des Gesamtunternehmens war 2016 geprägt von den Problemen in Syrien und  seinen Nachbarstaaten und den Flüchtlingsströmen aus verschiedenen Ländern. Caritas kümmert sich besonders in Griechenland um syrische Familien mit Kindern und deren Unterkunft und Verpflegung.


Die Zusammenarbeit mit der DEZA verläuft erfolgreich. Die DEZA-Mittel sind nach Erarbeitung, Prüfung und beginnender Umsetzung der Auslandprogramme für die Zeit bis 2020 zugesichert worden. (14,8% der Caritas-Erträge 2016)


Die internationale Zusammenarbeit wurde in Haiti wegen den Folgen des Wirbelsturms „Matthew“ fortgesetzt. In Äthiopien  setzte sich Caritas Schweiz wegen der extremen Dürre ein. Immer deutlicher wird, dass die Entwicklungszusammenarbeit in nahezu allen Ländern des Südens auf die Auswirkungen des Klimawandels antworten muss.


Im Projektbereich „Markets for Poor“ profitiert die ländliche Bevölkerung von Tschad, Mali, Haiti und Tadschikistan von der zunehmend nachhaltigeren Landwirtschaft, verbesserten  Vermarktung der Produkte und zunehmenden Ernährungssicherheit der Landbevölkerung. Es ist nötig, dass die Caritas mit ihren Projekten in allen 19 Ländern gleich auftritt.


Im Falle  der Katastrophenhilfe ist die Zusammenarbeit mit inländischen und ausländischen Hilfswerken die notwendige Regel.


 

Inlandarbeit: Die Sparpolitik mehrerer Kantone und Gemeinden lässt Sozialhilfegelder kürzen, Prämienverbilligungen reduzieren und Leistungen für Familien streichen. Immer mehr Menschen suchen Sozialberatungsstellen der Caritas auf. Caritas engagiert sich gegen den Sozialabbau. Darum ist sozial-politische Arbeit sehr wichtig. Caritas-Markt, Schuldenberatung, Kleiderzentrale, KulturLegi-Karte, Restaurantkonzept „Bon Lieu“  sind ihre eröffneten Wege zu Gunsten Armutsbetroffener in der Schweiz.


Der jährlich erscheinende Sozial-Almanach und die Positionspapiere der Caritas sind geschätzte Quellen geworden, die Gründe, Entwicklungen und  Wege aus der Armut unter uns aufzeigen.


In den Bereichen Kommunikation und Marketing ist es immer wieder notwendig, die Vielfältige Arbeit der Caritas zu erklären.


Die Personalführung orientiert sich an modernen Standards.


Der Finanzplan 2017 – 2020 konnte verabschiedet werden und ermöglicht die geplante zielorientierte Weiterarbeit. Neu ist für Caritas Mitarbeitende im Ausland eine internationale Betriebshaftpflicht eingeführt worden.


Bei der Jahresrechnung wurde das ausgezeichnete Spendenergebnis erwähnt.


Zur Frage der notwendigen Reserven für das Unternehmen Caritas wurden etwa 50% einer  Jahresausgabe genannt.


 

Auch auf den thematischen Teil der DV konnte man wieder gespannt sein. An drei Beispielen wurde das Caritas-Engagement „Armut bekämpfen konkret“ gezeigt.


  1. Positionspapiere: Frau Hochuli, Leiterin des Bereichs Grundlagen:

    Caritas beschäftigt sich in diesem Bereich mit dem Kernauftrag, der Rolle, der zu behandelnden Themen und um die Positionierung des Einsatzes. So nimmt sie immer wieder Einfluss auf die nationale Bekämpfung gegen , um zu zeigen, wo die Schweiz mit ihrer Armutspolitik steht, resp. aktiv sein sollte. Caritas trägt ihre Botschaften ins Bundeshaus.

    Caritas will führend und Expertin in Armutsfragen sein. Darum will sie mitsprechen beim Armutsprogramm des Bundes, bei der SKoS usw. Sie ist auch dabei bei der Aufarbeitung von Fakten für die politische Arbeit z.B. zu Armutsfragen mit Studien, Abklärungen zur Lage Alleinerziehender.

    Positionspapiere zu folgenden Themen können bestellt oder im Internet kopiert werden:


  • Armut halbieren, den Sozialabbau korrigieren

  • Wohin steuert die Schweiz in der Asylpolitik?

  • Wohnen und Armut Alleinerziehender

  • Ziele für nachhaltige Entwicklung – Umsetzungsplan


Entwicklungspolitik: Es geht jetzt um die Umsetzung der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung, wozu sich die Schweiz 2015 bei der UNO-GV bekannt hat.


Als Folge des mitverursachten Klimawandels muss die Schweiz auch zu mehr sozialer Gerechtigkeit in den Entwicklungsländern beitragen. Caritas schaut nach, ob die schweizerische Politik entwicklungspolitisch verträglich ist.


Caritas setzt sich auf dem politischen Parkett gegen eine Instrumentalisierung der Armutsbekämpfung  in  der schweiz. Asylpolitik ein.


  1. Internationale Zusammenarbeit: Anja Ebnöther, Leiterin dieses Bereichs

    Partner bei der IZA sind einerseits die DEZA und andere Hilfsorganisationen im In- und Ausland, sowie verschiedenste Länder in denen Caritas aktiv ist. Humanitäre Hilfe wird eher kurzfristig eingesetzt, Entwicklungshilfe soll längerfristig konzipiert  werden.

          Die IZA engagiert sich für die Verbesserungen in den Bereichen Ernährung, Wasser, Klima, Migration, humanitäre Hilfe und Bildung. Es geht darum, Landrechte sichern zu helfen, Menschenhandel zu verhindern, menschliche Grundbedürfnisse sichern helfen usw.

     

    Schwerpunktthema war 2016 aufgrund der aktuellen Flüchtlingskrise Migration. 2016 kamen etwas mehr als 27‘000 Asylanten in die Schweiz (Europa total 1,3 Mio.)

    Längst nicht mit allen Herkunftsländern von Flüchtlingen besteht eine Entwicklungszusammenarbeit. Dazu gehören Eritrea, Syrien, Irak, Sri Lanka, Nigeria, Gambia, Türkei, Senegal und Algerien. Bei ihnen ist es nicht möglich, Entwicklungszusammenarbeit als „Verhandlungspfand“ für die Rücknahme von abgewiesenen Flüchtlingen abhängig zu machen. Zwei Drittel der Asylanten in der Schweiz stammen aus Ländern, mit denen keine Entwicklungszusammenarbeit besteht oder die lediglich humanitäre Hilfe erhalten. Diesen Ländern kann nicht mit dem Entzug von schweizerischen Entwicklungshilfegeldern gedroht werden.

    Mit Eritrea ist eine Entwicklungszusammenarbeit nach wie vor nicht möglich.

  2. Caritas-Märkte: Bericht von Bruno Bertschy

    Dem Konzept entsprechend sollen Überschüsse verwertet,  kleine Budgets entlastet und eine Stigmatisierung Armutsbetroffener reduziert werden. Der erste Carisatt-Laden wurde 1992 eröffnet. Heute gibt es 21 Caritas-Märkte, nur für Menschen mit Bezugsberechtigungs-Karte.

    Das Warenangebot hat neben vielem anderen ein garantiertes Grundsortiment.

    2016 machten die Caritas-Märkte 12,1 Mio. Umsatz. 96‘000 Kunden kauften ein. Dies ergibt eine direkte Entlastung der Budgets von etwa 6.8 Mio. Franken.

    Lieferanten-Partnerschaften: 2016 wurden 5‘500 Tonnen Ware angeliefert von 450 Lieferanten. Bank Raiffeisen verbilligt dauernd Butter.

    Die Caritas-Märkte sind mehr als ein moderner Supermarkt: Sie ermöglichen direkte Kontakte. Die Partnerschaften bewirken zudem eine Sensibilisierung der Wirtschaft von den Armutsbetroffenen.

    Im Kt. Waadt wurde ein Bus umgebaut und fährt jetzt als mobiler Caritas Markt auch in kleinere Dörfer.

     

    Für den Bericht:  24.5.2017        Martha Daugaard, Eggersriet

     


 


 


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