Krippenkaffee der Pfarrei Heiligkreuz, St. Gallen

2300 besuchten die Krippe in Sant’ Antonio

Es gibt auch kleine Weihnachtswunder. 2285 Personen haben gemäss unserer Strichli-Liste die Krippe in Sant’Antonio besucht. Eltern und Grosseltern mit Kindern machten mehr als die Hälfte der Besucher aus. Einmal standen über 40 Kindergärtner in vier Reihen vor der Krippe. Fast eine halbe Stunde lang war kein Wort zu hören. Hie und da konnte man nur sehen, dass die Kinder einander zuflüsterten, was sie entdeckt hatten. Die Kindergärtnerinnen sahen sich mit grossen Augen an. Ähnlich beeindruckt war ein Schulleiter, der mich am Ende des Krippenbesuchs seiner Schüler fragte: „Werden hier alle Kinder so andächtig?“

 

Zumindest sind sehr viele Kinder zur Ruhe gekommen. Ich glaube, dass ein Kind vor der Krippe spürt, dass es hier die Mitte ist von Vater und Mutter. Das Neugeborene ist das Heilige mittendrin. Papa und Mama halten ganz fest zusammen in der Not. Alle freuen sich am Kleinen. Viele Kinder übertragen das auf sich selber. Sie fühlen sich in dieser überwältigenden Geborgenheit aufgehoben. Die Welt ist wie verzaubert. Die grosse Liebe und Güte Gottes leuchten hinein. Alles Böse, alles Bedrohliche ist aufgelöst.

Unsere Kinder bekommen zu viel Vernunft vermittelt und zu wenig Engel, zu viele Erklärungen und zu wenig Geschichten. Wir tun gut daran, das heilige Feuer zu hüten und den Kindern die Geburtsgeschichte von Jesus immer wieder zu erzählen. Wir dürften ruhig etwas lauter protestieren, wenn Weihnachten zum Fest der Konsumfreude umfunktioniert wird und wir zur Zustimmung dieser Entstellung mit Rabatten geködert werden. Die Kataloge werden dicker, wir selber aber leerer. Weihnachten  lebt von der religiösen Erzählung, von der unfassbaren Zuwendung Gottes zu uns Menschen. Wenn der Allergrösste Mensch wird, sind alle Menschen aufgehoben und geheiligt, wie gross sie im Einzelnen auch sind oder auch wie erbärmlich und schwach.

Die Krippe macht die Weihnachtsgeschichte anschaulich. Das Gute für uns Menschen wird erlebbar. An einem ganz konkreten Ort tritt es ein in unsere Geschichte. Die Ewigkeit kommt in die Zeit. Die Krippe ist wie das Bild im Film, der  stehen bleibt. Es hält die Bedeutung des Ganzen fest. Alles wird wegen der Geburt dieses Kindes positiv enden. Alle werden erlöst. Die Krippe spricht dies aus. Sie lädt uns ein, das Heilige, das sie uns bildlich erscheinen lässt, zu glauben. Sie trägt viel dazu bei, dass der religiöse Kern von Weihnachten ein wirkmächtiges Ritual bleibt. Das Feiern von Weihnachten hilft uns jedes Jahr, die tragfähigsten Beziehungen in der Familie zu erneuern und in den grösseren Kosmos hineinzuwirken.

Die Krippen übertragen den guten Willen Gottes in alle Kulturen. Die Häuser und Ställe sind nach dem Bild des eigenen Dorfes oder der eigenen Stadt geschaffen. Sie bezeugen, dass hier die Liebe Gottes präsent ist und wirkt. Die familiären Szenen unterscheiden sich im Prinzip nicht von Bethlehem. Auch sie sind heilige Orte, wo die Güte Gottes in die Welt drängt, genauso wie die vielen Berufe, in denen Menschen sich hingeben und sich selber einbringen. Ob Hufschmied, Fischer, Bauer, Winzer oder Sager, ob Bäuerin, Müllerin, Obstverkäuferin, Waschfrau oder stillende Mutter, alle bringen sich mit ganzem Herzen ein. Die Kraft der Erlösung ist so stark, dass in vielen Weihnachtsgeschichten Menschen die Rollen vor der Krippe tauschen und so zeigen, wie fest die Geburt des Erlösers nachwirkt in unsere Zeit. Oftmals legen sogar Räuber ihre Beute Jesus zu Füssen.

Wir sind den italienischen Immigranten sehr dankbar für diese Krippe. Sie ist Ausdruck der italienischen Kultur. Mit der liebevollen Darstellung ihrer Herkunft haben sie sicher auch das Heimweh bewältigt. Die italienischen Krippenbauer beeindrucken mit ihrem Sinn für Effekte und ihrer Spielfreude die Kinder (und Erwachsenen) tief. Ich freue mich, wenn die Figuren nächstes Jahr wieder auferstehen und unserer Seele Nahrung geben.

 

Peter Oberholzer

 

 

2017  Schweizerische Vinzenzgemeinschaft   globbers joomla templates